Taubennest gefunden – das sollten Sie sofort tun
Bevor Sie irgendetwas anfassen, prüfen Sie aus sicherer Entfernung, ob sich bereits Eier oder Jungtiere im Nest befinden. Diese Beobachtung entscheidet über Ihre nächsten Schritte: Liegen Eier drin, ist das Nest aktiv und steht unter Schutz. Alle wildlebenden Tauben fallen unter die EG-Vogelschutzrichtlinien und das deutsche Tierschutzgesetz – jede Manipulation kann strafbar sein.
Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Aus einigen Metern Abstand beobachten, ob Tauben das Nest anfliegen oder darauf sitzen.
- Inhalt prüfen: Sind Eier, nackte Küken oder befiederte Jungtiere zu sehen?
- Bei aktivem Nest: Lassen Sie die Tiere in Ruhe brüten – die Nestlingszeit dauert vier bis sechs Wochen.
- Bei leerem Nest ohne Eier: Sie dürfen es jetzt entfernen und sofort Präventionsmaßnahmen umsetzen.
- Im Zweifel: Kontaktieren Sie den örtlichen Tierschutzverein oder die Untere Naturschutzbehörde.
Ein typisches Beispiel aus unserer Praxis: Eine Mieterin meldete uns ein Nest auf ihrem Balkon, kurz vor dem Sommerurlaub. Wir haben ihr geraten, abzuwarten – nach einigen Wochen waren die Jungtiere ausgeflogen, der Balkon konnte gereinigt und mit Spikes ausgestattet werden. Hätte sie das Nest vorschnell entsorgt, drohte ein empfindliches Bußgeld. Weiterführende Hinweise zum tierschutzkonformen Umgang finden Sie in den Tierschutzhinweisen von PETA.
Wie sieht ein Taubennest aus und woran erkennen Sie es?
Ein Taubennest wirkt auf den ersten Blick provisorisch: lose aufgeschichtete Zweige, dünne Äste, Halme und manchmal sogar Draht oder Plastikreste als Nistmaterial. Der Durchmesser ist meist überschaubar, die Mulde ist flach. Häufig finden Sie das Nest an einem geschützten Brutplatz – Fenstersims, hinter Klimaanlagen, in Mauernischen oder unter Dachvorsprüngen. Die Eier sind reinweiß, leicht glänzend und vergleichsweise klein; meist liegen genau zwei davon im Gelege.
Stadttaube, Ringeltaube oder Türkentaube – wer baut wo?
Die Stadttaube ist die häufigste Art an Gebäuden – sie stammt von verwilderten Haustauben ab und brütet das ganze Jahr über. Ihre Population ist in vielen Städten dicht und auf Bruchstellen am Bau angewiesen. Die Ringeltaube nistet bevorzugt in Bäumen und Hecken, gelegentlich auch auf Balkonen. Die Türkentaube wählt offene Äste und Dachrinnen. Wichtig: Bei Wildtauben wie Ringel- und Türkentaube ist jede Manipulation am Nest verboten, auch ein Eiertausch ist nicht erlaubt.
Brutbiologie: Wochen-Timeline von Nestbau bis Ausflug
Der Nestbau erfolgt innerhalb weniger Tage. Kurz darauf legt das Weibchen das erste Ei, dann das zweite. Nach der Bebrütung schlüpfen die Küken. Die Nestlingszeit umfasst vier bis sechs Wochen, bis die Jungtauben flügge werden. Stadttauben können mehrmals jährlich brüten. Detaillierte Daten finden Sie in der FAQ der Stadt Braunschweig.
Rechtliches: Tierschutzgesetz, Naturschutzrecht und was Sie nicht dürfen
Wer ein aktives Taubennest entfernt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz. Beide Vorschriften verbieten das Töten, Verletzen oder erhebliche Stören brütender Tiere. Taubennester dürfen ausschließlich vor Beginn des Nestbaus oder nach dem Ausfliegen der Jungtiere entfernt werden. Verstöße können mit Bußgeldern bis 50.000 Euro geahndet werden – je nach Bundesland und Schwere des Falls.
Besonders wichtig: Nistplätze von Gebäudebrütern sind ganzjährig geschützt – auch wenn sie gerade nicht besetzt sind. Hausverwalter und Gewerbebetriebe sollten daher frühzeitig auf gewerbliche Objektsicherung setzen.
Eiertausch mit Gipseiern: Anleitung und Bezugsquellen
Der tierschutzgerechte Eiertausch ist bei Stadttauben in betreuten Taubenschlägen erlaubt und gilt als wirksame Methode zur Populationskontrolle. Dabei werden die echten Eier durch Gipseier ersetzt – die Tauben bebrüten diese weiter, ohne dass Nachwuchs entsteht. So bleibt das Brutverhalten ungestört, die Population sinkt nachhaltig.
So läuft der Eiertausch fachgerecht ab:
- Tierschutzverein oder Stadttaubenprojekt kontaktieren – nur autorisierte Personen dürfen tätig werden.
- Eier vorsichtig entnehmen, sobald das Gelege vollständig ist (nach wenigen Tagen).
- Gipseier passgenau einsetzen – Größe und Gewicht müssen den echten Eiern entsprechen.
- Stelle und Datum dokumentieren, um den nächsten Brutzyklus planen zu können.
Worauf erfahrene Tierschützer besonders achten: Die Gipseier müssen exakt zur richtigen Zeit eingesetzt werden – zu früh und die Taube legt nach, zu spät und der Embryo ist bereits entwickelt. Bezugsquellen sind Tierschutzvereine, kommunale Stadttaubenprojekte und spezialisierte Online-Shops. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet das Handbuch Stadttaubenmanagement.
Nestbau vorbeugen und Taubenkot hygienisch entfernen
Nach dem Ausfliegen der Jungtiere sollten Sie sofort handeln, denn Tauben kehren oft an bewährte Brutplätze zurück. Tauben mögen waagerechte, geschützte Flächen – diese müssen Sie unattraktiv machen. Bewährt haben sich Spikes auf Simsen und Geländern, Schrägbleche mit über 60° Neigungswinkel sowie engmaschige Netze für Balkone. Reinigen Sie den Bereich gründlich mit Wasser und Desinfektionsmittel, um Pheromonspuren zu entfernen.
Ein häufiger Fehler, den wir immer wieder sehen: Hauseigentümer bringen einzelne Spikes an, lassen aber benachbarte Flächen frei – die Tauben weichen einfach aus und nisten nur wenige Meter weiter. Wirksam ist nur eine flächendeckende Lösung. Bei wiederkehrendem Befall empfehlen wir professionelle Taubenabwehr durch geprüfte Schädlingsbekämpfer.
Hygiene & Gesundheitsrisiken: Ornithose, Salmonellen, Milben
Taubenkot kann Ornithose, Salmonellen und Pilzsporen übertragen. Tragen Sie beim Reinigen immer FFP2-Maske, Handschuhe und Schutzbrille. Befeuchten Sie den Kot vor dem Entfernen, um Staubaufwirbelung zu vermeiden. Besonders Taubenmilben können in Wohnräume einwandern und Hautreaktionen auslösen – mehr dazu in unserem Beitrag zu Milben im Wohnbereich.
Fazit: Tierschutzkonform handeln statt vorschnell entfernen
Ein Taubennest erfordert Geduld und Sachverstand: Aktive Nester sind tabu, Prävention ist der Schlüssel. Beobachten Sie zuerst, prüfen Sie die Art – Stadttaube oder Wildtaube – und holen Sie im Zweifel fachlichen Rat ein. So handeln Sie sicher, vermeiden Bußgelder und schützen die Tiere. Bei Unsicherheit oder hartnäckigem Befall sind unsere Schädlingsbekämpfer in Bremen für Sie erreichbar.
Häufig gestellte Fragen
Wo haben Tauben ihre Nester?
Stadttauben nisten an geschützten Stellen am Gebäude: Fenstersims, Balkon, Dachvorsprung, Mauernischen, hinter Klimaanlagen oder Dachrinnen. Ringeltauben bevorzugen Bäume und dichte Hecken, gelegentlich auch begrünte Balkone. Türkentauben wählen offene Äste. Entscheidend für den Brutplatz sind Wetterschutz und eine waagerechte Auflage.
In welcher Zeit bauen Tauben Nester?
Der Nestbau dauert nur wenige Tage, danach erfolgt kurz darauf die Eiablage. Nach der Bebrütung schließt sich eine Nestlingszeit von vier bis sechs Wochen an. Die Brutsaison erstreckt sich über weite Teile des Jahres – Stadttauben brüten allerdings ganzjährig und können mehrere Bruten pro Jahr großziehen.
Was tun, wenn Tauben nisten?
Bei einem aktiven Nest mit Eiern dürfen Sie nichts entfernen. Kontaktieren Sie den lokalen Tierschutzverein für einen Eiertausch mit Gipseiern, sofern es sich um Stadttauben handelt. Bei einem leeren Nest ohne Eier reinigen Sie den Bereich gründlich und installieren sofort Präventionsmaßnahmen wie Spikes, Schrägbleche oder Netze.
Darf ich ein Taubennest einfach entfernen?
Nein, ein aktives Nest mit Eiern oder Jungvögeln dürfen Sie nicht entfernen. Tierschutzgesetz und Bundesnaturschutzgesetz schützen brütende Tiere ausdrücklich. Verstöße können Bußgelder bis 50.000 Euro nach sich ziehen. Erlaubt ist die Entfernung nur vor dem Nestbau oder nach dem vollständigen Ausfliegen der Jungtiere – Nistplätze von Gebäudebrütern sind sogar ganzjährig geschützt.

