Stadttaube auf einem Gebäudesims mit Taubenspikes

Taubennest entdeckt: Rechtssicher handeln, Tiere schützen und Nestbau vorbeugen

Sie haben auf Ihrem Balkon, Fenstersims oder Dachvorsprung ein Taubennest entdeckt und fragen sich, was Sie jetzt tun dürfen? Ein Taubennest ist eine flache, lose Konstruktion aus Zweigen und Ästen, die Stadttauben und Wildtauben als Brutplatz an geschützten Stellen am Gebäude anlegen und oft über mehrere Bruten hinweg nutzen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie tierschutzkonform und rechtssicher handeln, wann ein Eiertausch mit Gipseiern erlaubt ist und mit welchen baulichen Maßnahmen Sie neuem Nestbau vorbeugen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Nest mit Eiern nicht entfernen: Aktive Brut ist geschützt: bei Stadttauben über das Tierschutzgesetz, bei wildlebenden Arten zusätzlich über das Bundesnaturschutzgesetz.
  • Empfindliche Strafen: Bei Stadttauben drohen nach § 17 und § 18 Tierschutzgesetz Geldstrafe oder Bußgeld bis 25.000 Euro, bei wildlebenden Arten bis zu 50.000 Euro nach dem Bundesnaturschutzgesetz.
  • Eiertausch nur bei Stadttauben: Getauscht wird so früh wie möglich, spätestens bis zum 7. Bebrütungstag.
  • Prävention vor Bekämpfung: Schrägbleche, Gitter und straff gespannte Netze machen Nistplätze für Tauben unattraktiv.
  • Hygiene beachten: Taubenkot kann Erreger wie die der Ornithose und Salmonellen enthalten; aus Nestern können Taubenmilben einwandern. Arbeiten Sie deshalb mit Schutzausrüstung.

Taubennest gefunden: das sollten Sie sofort tun

Bevor Sie irgendetwas anfassen, prüfen Sie aus sicherer Entfernung, ob sich bereits Eier oder Jungtiere im Nest befinden. Diese Beobachtung entscheidet über Ihre nächsten Schritte: Liegen Eier drin, ist das Nest aktiv und steht unter Schutz. Wildtauben wie Ringel- und Türkentaube sind europäische Vogelarten und zugleich Federwild im Sinne des Bundesjagdgesetzes. Das Bundesjagdgesetz verbietet ausdrücklich, Gelege von Federwild auszunehmen. Die Stadttaube stammt dagegen von Haustauben ab. Anders als Wildtauben ist sie nicht nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Für sie gilt vor allem das Tierschutzgesetz. In beiden Fällen gilt: Manipulation am aktiven Nest kann geahndet werden.

Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:

  1. Aus einigen Metern Abstand beobachten, ob Tauben das Nest anfliegen oder darauf sitzen.
  2. Inhalt prüfen: Sind Eier, nackte Küken oder befiederte Jungtiere zu sehen?
  3. Bei aktivem Nest: Lassen Sie die Tiere in Ruhe brüten. Vom vollständigen Gelege bis zum Verlassen des Nests vergehen rund sechs Wochen. Entfernen Sie das Nest erst, wenn es dauerhaft leer ist.
  4. Bei leerem Stadttaubennest ohne Eier: Sie dürfen es jetzt entfernen und Vorbeugemaßnahmen umsetzen.
  5. Im Zweifel: In Bremen beraten die Stadttaubenvereine Bremer Taubenhaus e. V. und Stadttauben Bremen e. V. Bei Wildtauben ist die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft als Naturschutzbehörde zuständig.

Ein typisches Beispiel: ein Nest mit Eiern auf dem Balkon, kurz vor dem Sommerurlaub. Hier heißt es abwarten. Nach einigen Wochen sind die Jungtiere ausgeflogen, danach lässt sich der Balkon reinigen und gegen neue Bruten sichern. Wer das Nest vorschnell entsorgt, riskiert ein empfindliches Bußgeld. Weiterführende Hinweise zum tierschutzkonformen Umgang mit Stadttauben gibt die Stadt Braunschweig in ihren häufigen Fragen zu Stadttauben.

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Wie sieht ein Taubennest aus und woran erkennen Sie es?

Ein Taubennest wirkt auf den ersten Blick provisorisch: lose aufgeschichtete Zweige, dünne Äste und Halme. Der Durchmesser ist meist überschaubar, die Mulde ist flach. Häufig finden Sie das Nest an einem geschützten Brutplatz: Fenstersims, hinter Klimaanlagen, in Mauernischen oder unter Dachvorsprüngen. Die Eier sind weiß; meist liegen zwei im Gelege.

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Stadttaube, Ringeltaube oder Türkentaube: wer baut wo?

Die Stadttaube ist die häufigste Art an Gebäuden. Sie stammt von verwilderten Haustauben ab und brütet das ganze Jahr über. Die Ringeltaube baut ihr flaches Nest gern in Nadelbäumen oder dichten Laubbäumen, zunehmend auch in Städten, teils an hoch gelegenen Mauervorsprüngen. Die Türkentaube lebt bevorzugt in der Nähe menschlicher Siedlungen; wichtig sind für sie lockere Baumbestände. Einen festen Neststandort nennt der NABU nicht. Wichtig: Bei Wildtauben wie Ringel- und Türkentaube ist jede Manipulation am Nest verboten, auch ein Eiertausch ist nicht erlaubt.

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Brutbiologie: Wochen-Timeline von Nestbau bis Ausflug

Das Weibchen legt meist zwei weiße Eier im Abstand von etwa 48 Stunden. Männchen und Weibchen bebrüten sie abwechselnd rund 18 Tage. Nach weiteren etwa dreieinhalb Wochen sind die Jungtauben bereit, das Nest zu verlassen; flügge sind sie 30 bis 35 Tage nach dem Schlüpfen. Stadttauben brüten ganzjährig und können unter günstigen Bedingungen bis zu 12 Junge im Jahr aufziehen. Weitere Angaben zur Brut enthält die Kurzanleitung des Ministeriums Baden-Württemberg.

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Rechtliches: Tierschutzgesetz, Naturschutzrecht und was Sie nicht dürfen

Wer ein aktives Taubennest entfernt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und bei wildlebenden Arten zusätzlich gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Das Tierschutzgesetz verbietet, ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund zu töten. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet zusätzlich, europäische Vogelarten während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit erheblich zu stören. Ein Stadttaubennest ohne Eier und Jungtiere dürfen Sie entfernen. Bei Wildtauben wie Ringel- oder Türkentaube klären Sie das vorher mit der Naturschutzbehörde, in Bremen ist das die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft. Bei der Stadttaube greift das Tierschutzgesetz: § 17 stellt das Töten ohne vernünftigen Grund unter Strafe, § 18 sieht Bußgelder bis 25.000 Euro vor. Bei wildlebenden Arten wie Ringel- oder Türkentaube gilt zusätzlich das Bundesnaturschutzgesetz mit einem Rahmen bis 50.000 Euro.

Situation Erlaubt? Rechtsgrundlage
Leeres Stadttaubennest ohne Eier entfernen Ja Keine Brut, kein Schutz
Nest mit Eiern entsorgen Nein TierSchG (Stadttaube), zusätzlich BNatSchG bei Wildtauben
Eiertausch bei Stadttauben Mit fachlicher Begleitung § 1 und § 17 TierSchG (früh tauschen)
Manipulation an Wildtauben-Nest Nein § 22 Abs. 4 BJagdG, § 44 BNatSchG
Nistplätze echter Gebäudebrüter entfernen Nein § 44 BNatSchG (nicht für Stadttauben)

Besonders wichtig: Nistplätze von Mauerseglern sind ganzjährig geschützt, auch wenn sie gerade nicht besetzt sind. Auch Fortpflanzungsstätten anderer geschützter Gebäudebrüter wie Schwalben dürfen nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz nicht beschädigt oder zerstört werden. Für Stadttauben gilt dieser Schutz nicht. Hausverwalter und Gewerbebetriebe sollten daher frühzeitig auf gewerbliche Objektsicherung setzen.

Eiertausch mit Gipseiern: Anleitung und Bezugsquellen

Der Eiertausch gilt bei Stadttauben als tierschutzgerechte Methode, um den Bestand mittel- bis langfristig zu verringern. Er findet vor allem in betreuten Taubenschlägen statt, kann aber auch an Brutplätzen außerhalb erfolgen, etwa bei Balkonbruten. Lassen Sie vorher sicher feststellen, dass es sich um eine Stadttaube handelt, und lassen Sie sich von einem Stadttaubenverein beraten. In Bremen sind das zum Beispiel der Verein Bremer Taubenhaus e. V. und der Verein Stadttauben Bremen e. V. Dabei werden die echten Eier durch Gipseier ersetzt. Die Tauben bebrüten diese weiter, ohne dass Nachwuchs entsteht. So bleibt das Brutverhalten ungestört, die Population sinkt langfristig. Getauscht wird so früh wie möglich, spätestens bis zum 7. Bebrütungstag.

So läuft der Eiertausch fachgerecht ab:

  1. Tierschutzverein oder Stadttaubenprojekt kontaktieren: Artbestimmung und Zeitfenster erfordern Erfahrung, deshalb sollten Sie sich dort beraten lassen.
  2. Eier einzeln tauschen: Jedes frisch gelegte, warme Ei gegen ein in der Hand vorgewärmtes Attrappen-Ei tauschen. Die Taube legt ihre zwei Eier im Abstand von etwa 48 Stunden, entsprechend wird auch getauscht.
  3. Gipseier passgenau einsetzen: Größe und Gewicht müssen den echten Eiern entsprechen.
  4. Stelle und Datum dokumentieren, um den nächsten Brutzyklus planen zu können.

Worauf erfahrene Tierschützer besonders achten: Je früher getauscht wird, desto besser, denn der Embryo entwickelt sich mit jedem Bebrütungstag weiter. Bezugsquellen sind Tierschutzvereine, kommunale Stadttaubenprojekte und spezialisierte Online-Shops. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet das Handbuch Stadttaubenmanagement.

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Nestbau vorbeugen und Taubenkot hygienisch entfernen

Nach dem Ausfliegen der Jungtiere sollten Sie sofort handeln, denn Tauben kehren oft an bewährte Brutplätze zurück. Tauben mögen waagerechte, geschützte Flächen; diese müssen Sie unattraktiv machen. Bewährt haben sich Schrägbleche mit mehr als 60° Neigungswinkel auf Fenstersimsen sowie feste Gitter oder straff gespannte Netze (Fadenstärke mindestens 1 mm, Maschenweite höchstens 30 mm). Stumpfe Spikes sind nur dann tierschutzgerecht, wenn sie korrekt angebracht und regelmäßig gewartet werden; die Stadt Braunschweig rät ganz davon ab, weil Tauben sie mit Nistmaterial auffüllen und Jungtauben sich daran verletzen können. Entfernen Sie zuerst den angefeuchteten Kot und reinigen Sie danach die Fläche.

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Ein häufiger Fehler: Hauseigentümer sichern nur einzelne Stellen und lassen benachbarte Flächen frei. Die Tauben suchen sich dann häufig in der nächsten Umgebung einen neuen Brutplatz. Sichern Sie deshalb alle geeigneten Flächen. Wichtig ist zudem die regelmäßige Kontrolle: Netze müssen dauerhaft straff gespannt bleiben, damit sich keine Vögel darin verfangen. Das Tierschutzgesetz verbietet Abwehrvorrichtungen, die Tieren vermeidbare Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen können. Bei wiederkehrendem Befall empfehlen wir professionelle Taubenabwehr durch geprüfte Schädlingsbekämpfer.

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Hygiene & Gesundheitsrisiken: Ornithose, Salmonellen, Milben

Taubenkot kann Erreger wie die der Ornithose, Salmonellen und Pilze enthalten. Tragen Sie beim Reinigen immer FFP2-Maske, Handschuhe und Schutzbrille. Befeuchten Sie den Kot vor dem Entfernen, um Staubaufwirbelung zu vermeiden. Besonders Taubenmilben können in Wohnräume einwandern und Hautreaktionen auslösen. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Milben im Wohnbereich.

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Fazit: Tierschutzkonform handeln statt vorschnell entfernen

Ein Taubennest erfordert Geduld und Sachverstand: Aktive Nester sind tabu, Prävention ist der Schlüssel. Beobachten Sie zuerst, prüfen Sie die Art (Stadttaube oder Wildtaube) und holen Sie im Zweifel fachlichen Rat ein. So handeln Sie sicher, vermeiden Bußgelder und schützen die Tiere. Bei Unsicherheit oder hartnäckigem Befall sind unsere Schädlingsbekämpfer in Bremen für Sie erreichbar.

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Häufig gestellte Fragen

Wo haben Tauben ihre Nester?

Stadttauben nisten an geschützten Stellen am Gebäude: Fenstersims, Balkon, Dachvorsprung, Mauernischen, hinter Klimaanlagen oder Dachrinnen. Ringeltauben brüten vor allem in Parks, Gärten und Wäldern, teils auch an hoch gelegenen Mauervorsprüngen. Türkentauben leben bevorzugt in Siedlungsnähe mit lockeren Baumbeständen. Entscheidend für den Brutplatz sind Wetterschutz und eine waagerechte Auflage.

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In welcher Zeit bauen Tauben Nester?

Eine feste Dauer für den Nestbau nennen die Fachquellen nicht. Stadttauben brüten ganzjährig. Das Weibchen legt meist zwei Eier im Abstand von etwa 48 Stunden, die Eltern bebrüten sie rund 18 Tage. Nach weiteren etwa dreieinhalb Wochen sind die Jungtauben bereit, das Nest zu verlassen.

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Was tun, wenn Tauben nisten?

Bei einem aktiven Nest mit Eiern dürfen Sie nichts entfernen. Wenden Sie sich für einen Eiertausch an einen Stadttaubenverein, in Bremen etwa den Verein Bremer Taubenhaus e. V. oder den Verein Stadttauben Bremen e. V., sofern es sich sicher um Stadttauben handelt. Bei einem leeren Stadttaubennest ohne Eier reinigen Sie den Bereich gründlich und sichern ihn mit Vorbeugemaßnahmen wie Schrägblechen, Gittern oder Netzen.

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Darf ich ein Taubennest einfach entfernen?

Nein, ein aktives Nest mit Eiern oder Jungvögeln dürfen Sie nicht entfernen. Das Tierschutzgesetz und bei Wildtauben zusätzlich das Bundesnaturschutzgesetz schützen brütende Tiere. Verstöße können bei Stadttauben Geldstrafe oder ein Bußgeld bis 25.000 Euro nach sich ziehen, bei wildlebenden Arten bis zu 50.000 Euro. Ein Stadttaubennest ohne Eier und Jungtiere dürfen Sie entfernen. Bei Wildtauben wie Ringel- oder Türkentaube klären Sie das vorher mit der Naturschutzbehörde, in Bremen ist das die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft. Nistplätze von Mauerseglern sind sogar ganzjährig geschützt. Auch Fortpflanzungsstätten anderer geschützter Gebäudebrüter wie Schwalben dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Für Stadttauben gilt dieser Schutz nicht.

Inhaltsverzeichnis
Jan Niklas Blome
Veröffentlicht am
26.6.2026
Zuletzt aktualisiert am
22.10.2026

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