Befall richtig einschätzen: Eine oder viele Kakerlaken?
Die wichtigste Regel lautet: Wenn Sie eine Kakerlake sehen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit bereits viele weitere im Verborgenen aktiv. Diese Schädlinge sind extrem lichtscheu. Sie verlassen ihre Verstecke normalerweise nur nachts. Sind die Tiere auch tagsüber unterwegs, ist der Befall meist schon sehr stark.
Kakerlaken sind als Hygieneschädlinge eingestuft. Sie verschleppen Krankheitserreger mechanisch von Müll und Abwasser auf Lebensmittel und Arbeitsflächen; nachgewiesen wurden unter anderem Salmonellen und E. coli. Kot und Häutungsreste der Schaben können Allergien auslösen. Zögern Sie deshalb nicht, bei ersten Anzeichen das Umweltbundesamt zu Schaben zu konsultieren oder sich unsere kostenlose Erstberatung zu sichern.
Schabenbefall erkennen: Diese Anzeichen sprechen für eine Plage
Achten Sie auf folgende Alarmsignale in Ihrer Wohnung: Kleine, dunkle Kotkörnchen, die an Kaffeesatz erinnern, in Schubladen, hinter Küchengeräten oder entlang von Fußleisten sind ein deutliches Anzeichen.
Braune, ovale Eipakete in Ritzen und Spalten sowie Häutungsreste zeigen aktive Vermehrung an. Deutsche Schaben häuten sich bis zum erwachsenen Tier fünf- bis siebenmal. Typische Verstecke befinden sich hinter Kühlschränken, unter Spülbecken, in Hohlräumen von Elektrogeräten und in Abflüssen.
Stellen Sie Klebefallen an verdächtigen Stellen auf und lassen Sie sie mindestens eine Woche stehen. So erkennen Sie, wo und wie stark die Tiere unterwegs sind.
Die häufigsten Kakerlakenarten in Deutschland unterscheiden
In Deutschland dominieren zwei Arten: Die Deutsche Schabe (Blattella germanica) ist hellbraun und 13–16 mm groß. Sie bevorzugt warme, feuchte Bereiche wie Küchen und Bäder. Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) ist mit 25 bis 30 mm deutlich größer und dunkelbraun bis schwarz. Sie mag es feuchtwarm, verträgt aber auch kühlere Temperaturen bis etwa 15 °C und kommt deshalb auch in Kellern und Lagerräumen vor.
Deutlich seltener ist die Amerikanische Schabe: große, rotbraune Tiere von 26 bis 38 mm Länge. Die Unterscheidung ist wichtig, weil jede Art unterschiedliche Bekämpfungsstrategien erfordert. Deutsche Schaben vermehren sich schnell: Bei 30 °C dauert die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier etwa sechs Wochen, bei 24 °C rund 100 Tage und bei 22 °C bis zu acht Monate.
Ein Weibchen der Deutschen Schabe bildet im Laufe seines Lebens vier bis acht Eipakete (Ootheken) mit durchschnittlich rund 36 Eiern. Eine einzelne Kakerlake ist kein Grund zur Entwarnung: Laut Umweltbundesamt sind dort, wo eine Schabe gesichtet wurde, noch viele mehr.
Effektive Bekämpfungsmethoden im Überblick: Was wirklich funktioniert
Die Wahl der richtigen Bekämpfungsmethode hängt entscheidend von der Befallsstärke ab. Wir empfehlen einen gestuften Ansatz: Bei Einzelsichtungen können Sie zunächst mit Fraßködern aus dem Fachhandel arbeiten. Wichtig ist das Verständnis, dass Kakerlaken in drei Entwicklungsstadien vorkommen: Ei, Larve und erwachsenes Tier.
Nicht alle Mittel erreichen alle Stadien. Einen bereits etablierten Befall sollten Sie deshalb professionell bekämpfen lassen, so rät es auch das Umweltbundesamt. Ein Grund: Die Eipakete sind sehr widerstandsfähig, und Larven schlüpfen oft erst nach Beginn der Bekämpfung. Deshalb muss über einen längeren Zeitraum nachbehandelt werden. Hintergrundwissen zur Biologie der Arten bietet der Steckbrief zur Deutschen Schabe.
Manche Biozidprodukte dürfen laut ihrer Zulassung nicht von Privatleuten verwendet werden; professionelle Kammerjäger können sie einsetzen.
Zeitplan und Erwartungen: So lange dauert die Bekämpfung
Wie lange die Bekämpfung dauert, hängt von der Schabenart ab. Eine feste Dauer nennen Fachquellen nicht. Belegt ist: Bei der Deutschen Schabe reicht unter Umständen eine einzige Nachbehandlung nach sechs bis acht Wochen. Bei der Orientalischen und der Amerikanischen Schabe sind mehrere Behandlungen nötig, weil sie ihre Eipakete versteckt ablegen.
Setzen Sie sich realistische Ziele. Die Bekämpfung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Fraßköder müssen über mehrere Monate regelmäßig nachgelegt werden, auch wenn schon nach kurzer Zeit keine Schaben mehr zu sehen sind. Nur so werden auch die Larven erfasst, die erst nach Beginn der Bekämpfung aus den Eipaketen schlüpfen. Warten Sie deshalb nicht ab: Schaben haben ein hohes Vermehrungspotenzial.
Chemische Mittel: Gel-Köder, Sprays und Schabenfallen
Fraßköder in Gelform werden in kleinen Tropfen dort ausgebracht, wo sich die Tiere regelmäßig aufhalten. Weil Schaben auch tote Artgenossen fressen, kann der Wirkstoff an weitere Tiere weitergegeben werden. Seit dem 01.01.2025 stehen Insektizide nicht mehr frei zugänglich im Regal: Sie erhalten sie nur von sachkundigem Personal nach einem Beratungsgespräch. Wichtig: Laut Umweltbundesamt meiden manche Populationen der Deutschen Schabe inzwischen eine Zuckerart (Glucose) und fressen deshalb häufig verwendete Gelköder nicht mehr. Hinweis zum Wirkstoff Fipronil: Seine EU-Genehmigung für Biozide ist am 30.09.2023 ausgelaufen.
Schabenfallen mit Lockstoffen und Klebefläche dienen primär der Befallskontrolle. Sie eignen sich nur bei sehr geringem Befall zur Bekämpfung. Was tötet Kakerlaken sofort? Insektensprays wirken schnell bei sichtbaren Tieren, erreichen aber keine versteckten Nester. Das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt warnt: Insektensprays tilgen die Population nicht, sondern verschleppen die Tiere und verschlimmern das Problem.
Hausmittel gegen Kakerlaken: Warum wir von Borax und Natron abraten
Von Borax- und Borsäure-Mischungen raten wir ausdrücklich ab. Borverbindungen sind als fortpflanzungsgefährdend (Kategorie 1B) eingestuft; Gemische ab 0,3 Prozent dürfen gar nicht mehr an private Verbraucher abgegeben werden. Für die häufig empfohlene Natron-Zucker-Mischung haben wir keine Fachquelle gefunden, die eine Wirkung gegen Schaben belegt. Das Umweltbundesamt nennt keine Hausmittel gegen Schaben, sondern rät, einen Befall professionell bekämpfen zu lassen. Greifen Sie stattdessen zu handelsüblichen Köderdosen mit zugelassenen Biozidprodukten und halten Sie sich an die Gebrauchsanweisung.
Hausmittel ersetzen keine Bekämpfung. Bei einem Schabenbefall raten das Umweltbundesamt und das LAVES zu einem Fachbetrieb. Sehen Sie nach einer ersten Sichtung weitere Tiere, rufen Sie uns an.
Wann Sie unbedingt einen Kammerjäger beauftragen müssen
In bestimmten Situationen ist der Versuch der Selbstbekämpfung nicht nur aussichtslos, sondern kontraproduktiv. Unsere klare Empfehlung zur professionellen Kakerlakenbekämpfung gilt, sobald sich ein Befall bestätigt: wenn Sie wiederholt Tiere sehen, Kotspuren, Eipakete oder Larven finden, wenn Schaben in einer gewerblichen Küche auftreten oder wenn Ihre eigenen Versuche nicht wirken.
Erfahrene Schädlingsbekämpfer führen zunächst eine Befallsanalyse durch. Sie suchen die Befallsherde und Verstecke. Vor dem Einsatz von Insektiziden sollte geprüft werden, ob die Schaben gegen bestimmte Wirkstoffe resistent sind.
Wie oft nachbehandelt werden muss, hängt von der Schabenart ab (siehe Abschnitt „Zeitplan und Erwartungen“).
Besonders in Mehrfamilienhäusern ist professionelle Hilfe unverzichtbar: Kakerlaken wandern durch Rohrleitungen, Kabelschächte und Mauerdurchbrüche zwischen den Wohnungen. Meist ist mehr als eine Wohnung betroffen. Deshalb sollten bei der Bekämpfung auch die angrenzenden Wohnungen kontrolliert werden.
Fazit: Schnell handeln und realistisch bleiben
Das Bekämpfen erfordert vor allem eines: sofortiges und konsequentes Handeln. Je früher Sie handeln, desto besser: Schaben haben ein hohes Vermehrungspotenzial, und weil sie sich tagsüber gut verstecken, zeigt sich das volle Ausmaß eines Befalls oft erst spät. Unterschätzen Sie keine einzelne Kakerlake in der Wohnung: Meist sind es schon viele mehr. Ausnahme sind Waldschaben, die sich aus dem Garten ins Haus verirren; sie können sich in Gebäuden nicht fortpflanzen.
Bleiben Sie realistisch: Bei Anzeichen eines echten Befalls ist ein Fachbetrieb der sicherste Weg. Das empfehlen auch das Umweltbundesamt und das LAVES.
Häufig gestellte Fragen
Wie bekomme ich Kakerlaken wieder weg?
Stellen Sie nach einer ersten Sichtung Klebefallen auf und lassen Sie sie mindestens eine Woche stehen. So sehen Sie, ob weitere Tiere unterwegs sind. Einen Schabenbefall sollte ein Fachbetrieb bekämpfen; das empfehlen das Umweltbundesamt und das LAVES. Fraßköder müssen über mehrere Monate regelmäßig nachgelegt werden, damit auch später schlüpfende Larven erfasst werden. Parallel gilt: Lebensmittel gut verschlossen aufbewahren und Ritzen und Spalten abdichten.
Was ist am effektivsten gegen Kakerlaken?
Am wirksamsten ist eine Bekämpfung durch einen Fachbetrieb. Er bestimmt zuerst die Schabenart und sucht die Verstecke. Danach behandelt er gezielt die Verstecke und setzt Gelköder oder Wachstumsregulatoren ein. Insektensprays tilgen die Population dagegen nicht, sondern können die Tiere verschleppen.

